Ausstellungsrezension Torsten Gebhardt

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©Torsten GebhardtAm 16. November 2013 lud die Berliner Galerie Dikmayer zur Vernissage der Werkausstellung des Berliner Künstlers Torsten Gebhardt. Zum Thema „Schein und Sein“ wurden 16 Ölmalereien zusammengefasst, die einen guten Überblick über das bisherige Œuvre des Künstlers gaben. Ein Thema mit dem sich Gebhardt in seinen Arbeiten ohne Zweifel auf intensive und vielfältige Art und Weise auseinander setzt. Stets fordern ihn okkult-religiöse Themen um Leben und Tod, Sterben und Vergänglichkeit, zu gestalterischen Höchstleistungen heraus.

An diesem Nachmittag widmete sich Laudator Dr. Bernd Gottberg, Historiker, einleitend dem ambivalenten Motto der Ausstellung. Er ging auf einige Stationen in der Biografie Gebhardts ein und stellte die gezeigten Arbeiten in Bezug zu literarischen Quellen wie Hölderlin, Samuel Beckett, Lessing u.a.. Zum Ende seiner charmanten und feinsinnigen Laudatio würdigte er den Künstler als unermüdlichen „Mahner wider den Zeitgeist“.

Wer sich eingehender mit Torsten Gebhardts Werk auseinandergesetzt hat wird bestätigen können, dass seine Bilder auf eine einmalige und einprägsame Art und Weise fesseln und faszinieren. Jeder Blick offenbart neue Dimensionen, enthüllt neue und bisher unentdeckte Details, gerne misanthropisch-düster oder, wie in früheren Werken, dramatisch überladen. Prophetisch-religiös strotzen seine Gemälde dabei nur so vor Detailverliebtheit und Symbolik. Triptychen, futuristische Horrorszenarien, Monumentalporträts oder vollplastische Arbeiten, in Gebhardts Œuvre lassen sich vielfältige Beweise eines außergewöhnlichen Könnens finden. Thematisch werden dabei ebenso komplexe, wie schwierige, konträre Inhalte und Motive angegangen. Es finden sich dämonische Mischwesen, die den Hang des Künstlers zur Mythologie offenbaren, eingebettet in phantastisch anmutende Szenen aus anderen Welten. In der Serie „Stille Emotionen“ hingegen bestechen die, mit einer nahezu fotografischen Genauigkeit wiedergegebenen Portraits, mit ihrer charismatischen Lebendigkeit. In meisterlicher Perfektion konfrontiert uns der Künstler in dieser Reihe monumentaler Kinderporträts mit entwaffnend intensiven Gefühlsausdrücken, die alles andere als „stille“ Emotionen zeigen.

Ohne Frage stehen Gebhardts Werke manch „großem“ Künstler des Mittelalters oder der Frühen Neuzeit in nichts nach; sie berühren auf eine sehr intensive, unterschwellige und subtile Art und Weise und hätten in Anlehnung an Bildthematiken und künstlerischem Können auch vor 400 Jahren ihre Verehrer gefunden. Man denke hier an die chiaroscuro – Malerei der Spätrenaissance und des Barock, die in den meisten Arbeiten Gebhardts eine gewichtige Rolle spielt.

Besonders hervorzuheben sind auch die drei jüngst fertiggestellten Arbeiten mit den Titeln „Im Schein“, „Die alte Hure Kunst“ und „Der Seelendieb“, alle im Großformat 150 x 200 cm. Die offensichtliche Gesellschafts- und Religionskritik bedarf hier keiner weiteren Erklärungen. „Im Schein“ der alten Gelehrten, man vermag im Bildhintergrund unter anderem einen Dante, Nostradamus, sowie Aristoteles (oder doch Platon?) zu erkennen, disputieren die drei Religionen im Trialog.

„Die alte Hure Kunst“ hingegen, personifiziert als Selbige, präsentiert ihre identitätslosen Arbeiten; mit der Rückseite zum Betrachter lose aneinander gelehnte Leinwände. Das Element der Blindheit gegenüber der Kunst ist hier gleichzusetzen mit einer nicht vorhandenen Wertschätzung gegenüber der Arbeit und dem Können eines Künstlers.

„Der Seelendieb“ feierte an diesem Abend Premiere und reihte sich ein in die Gruppe der skurrilen Gestalten. Sein großes, kalkweißes Gesicht trägt männliche Züge. Das prächtige Kleid und der viele Schmuck sprechen jedoch eher dafür, dass es sich bei der Gestalt um eine Frau handeln könnte. Dieser Widerspruch trägt mit dazu bei das Phantasiewesen mit den starrenden, blutunterlaufenen Augen garstig erscheinen zu lassen. Der Seelendieb ist offensichtlich erneut im Begriff sich die Seele eines kleinen Mädchens zu holen, welches sich, ob vor Grauen, oder um ihre Seele zu schützen, ängstlich in sich gekrümmt, die Augen zuhält.

Gebhardts realistischer Stil und die Stilsicherheit in Bezug auf das anspruchsvolle Medium der Ölmalerei (man beachte sein Talent kristallene Gefäße oder dunstigen Rauch naturalistisch wiederzugeben) tragen mit dazu bei, dass seine Arbeiten stets zu etwas Einzigartigem werden. Dabei gehen das Besondere und das Verborgene, sich nicht auf den ersten Blick Erschließende, Hand in Hand und kleiden die uralte Symbolik in ein neues Gewand.

Zur Vernissage durfte sich jeder Besucher aufgefordert sehen, seinerseits in die inszenierten Traum- und Phantasiewelten Gebhardts einzutauchen, in sich zu gehen und einmal selbst zu reflektieren, ob der Schein im Sein liegt, bzw. wo das Sein im Schein?

Galerist Joachim Dikmayer schaffte es die unterschiedlichen Genres (Portrait, Stillleben, Historie, das Phantastische), denen sich Gebhardt in seinen Werken widmet, in einem geordneten und übersichtlichen Rahmen zu sortieren. So wurden die Gemälde thematisch passend zusammengestellt und gaben, wie eingangs erwähnt, einen guten Überblick über das Gesamtœuvre des Künstlers. Das Engagement des Galeristen zeitgenössische, realistische und phantastische Kunst in seinen ständig wechselnden Ausstellungen, inklusive der aktiven Teilnahme an diversen Kunstmessen, zu präsentieren sei an dieser Stelle im Besonderen hervorgehoben.

Im Februar 2014 wird der Künstler auf der 18. Art Innsbruck, der Internationalen Messe für Zeitgenössische Kunst in Österreich, vertreten sein.

Text: Stefanie Uhl, Kunsthistorikerin M.A., Foto: © Torsten Gebhardt

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