Ein Wiener Phantast der ersten Stunde

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f_janschkaFür Fritz Janschka zum 95. Geburtstag

Als ich in den 70er Jahren das Buch über die “Wiener Schule des Phantastischen Realismus“ von Johann Muschik in meinen Händen hielt, war innerhalb meiner Sammlung spontan ein großes Interesse an dieser ungewöhnlichen Kunstrichtung geweckt worden. Meine Sammlung bestand zu jener Zeit aus kleinen selbstgebauten Objektboxen, die mir Künstlerinnen und Künstler gestaltet hatten und mit denen ich quasi als Gegenpart Ausstellungen realisierte. Wichtigstes Kriterium -und das ist bis zum heutigen Tage so geblieben- war dabei, dass der Kommerz nirgendwo eine Rolle spielen durfte.

Neben den inzwischen immer wieder erwähnten Protagonisten die allseits bekannt sind, war mir damals der Maler, Bildhauer und Grafiker Fritz Janschka aufgefallen, der mit seinem Bild „Wohin gehst du?“ von 1948 schon damals eines der Hauptwerke des Phantastischen Realismus geschaffen hatte. Dieses bewegende Bild, das in den Nachkriegswirren entstanden war, zeugte für mich von der Leere und Ratlosigkeit jener Zeit, sowohl im Bereich der bildenden Kunst als auch im alltäglichen Leben.

Janschka, FritzObwohl mich damals Fritz Janschka mit den Abbildungen seiner Bilder schon tief beeindruckte, dauerte es immerhin noch fast 40 Jahre, bis ich den Kontakt zu ihm aufbauen konnte. Nicht zuletzt lag es auch daran, dass die Kommunikationsmöglichkeiten zu jener Zeit doch nicht ganz so einfach waren.

Durch die Bekanntschaft mit Prof. Gerhard Habarta – dem unermüdlichen Verfechter der phantastischen Kunst – der mit Fritz Janschka in Verbindung stand, kam es zu einer sehr privaten Brieffreundschaft mit dem Künstler, die bis heute anhält.

Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, dass gerade Fritz Janschka eine – wenn man so möchte außergewöhnliche Rolle – im Kreis der Phantasten innehat. Er wurde am 21. April 1919 in Wien geboren. Nachdem er 1942 schwer verwundet aus jenem nutzlosen Krieg zurück kam und ein Jahr im Lazarett verbringen musste, begann er schon 1943 ein Studium an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Prof. Sergius Pauser und wechselte 1945 in die Klasse von Prof. Albert Paris Gütersloh. Und gerade Gütersloh könnte man zusammen mit dem deutschen surrealistischen Maler Edgar Jené, der einige Jahre seinen Wohnsitz in Wien aufgeschlagen hatte, durchaus als Väter, ja als Anreger der Wiener Schule des Phantastischen Realismus bezeichnen.

In der Klasse von Gütersloh waren neben Fritz Janschka auch Arik Brauer, Ernst Fuchs, Wolfgang Hutter, Anton Lehmden und Kurt Steinwendner, der sich später Curt Stenvert nannte. Mit einigen von diesen Malern stellte er schon 1947 in der Vorschau des Art Clubs aus und war besonders mit Wolfgang Hutter freundschaftlich verbunden. Als 1949 die amerikanische Catherwood Foundation Stipendien vergab, war Fritz Janschka einer der ersten Austauschstudenten der sich auf den Weg in die Neue Welt aufmachte. Im Austausch kam der legendäre surrealistische Künstler Charles von Ripper (1905-1960) in die Stadt an der Donau. Nach Ablauf seines Stipendiums am Bryn Mawr College, einem der renommiertesten Colleges der USA, erhielt Fritz Janschka daselbst eine Professur of Art die er bis 1985 innehatte.

Obwohl er immer wieder zu den Wurzeln phantastischer Malerei zurückkehrte, war ein ihm eigener und inniger Bezug zur Literatur mit ein Grund, Gütersloh oder auch James Joyce zu illustrieren und unzählige Porträts von Persönlichkeiten der Weltliteratur zu zeichnen.

Ein inneres Verlangen drängte ihn immer wieder, sich in den unterschiedlichsten Kunstgattungen zu versuchen. So entstanden im Verlaufe der Jahre kleine surreale Plastiken aus Metall, Bilder, Grafiken und Collagen mit teilweise abstraktem, aber auch surrealem Inhalt und vor allem setzte er sich mit dem Werk von Franz Kafka auseinander.

Einen nicht zu übersehenden Schwerpunkt machten immer wieder seine Auseinandersetzungen mit dem Alltagsgeschehen in Amerika aus. Seien es die Auseinandersetzungen der vielfältigen Menschengattungen, die Einsätze der USA in meist wider gegen jede Vernunft geführten Kriegen oder aber die Kluft zwischen Arm und Reich in diesem unermesslichen Land.

Heute lebt Fritz Janschka zusammen mit seiner Frau Porter Aichele, einer erfolgreichen amerikanischen Kunsthistorikerin, in Greensboro im amerikanischen Bundesstatt North Carolina. Er ist nach wie vor am Geschehen in dieser unserer Welt interessiert, besucht Konzerte in New York und Philadelphia und vor allem malt und zeichnet er unverdrossen.

So hat er gerade eine Serie kleiner Ölbilder für eine Ausstellung gemalt, literarisches des amerikanischen Poeten Fred D. Chappel illustriert und vor allem 2013 sein letztes Bild über die „Wiener Schule des Phantastischen Realismus“ geschaffen, das quasi als Beantwortung seiner Frage „Wohin gehst du?“ die er 1948 gestellt hatte, gesehen werden soll. Das Bild mit dem Titel „Wir sind in die Welt gegangen und haben die Welt nach Wien gebracht“ befindet sich heute, wie auch das Bild „Wohin gehst du?“, im Besitz des Wien Museum am Karlsplatz. Und so schließt sich der Kreis um Fritz Janschka, in Bezug zu dieser „aus jeder nur erdenklichen Sicht phantastischen Stadt“.

Als ich 2009 die ersten Kontakte zu Fritz Janschka in Bezug zur Mitarbeit an meiner Sammlung knüpfte, traf ich auf einen Menschen, von dessen Liebenswürdigkeit, Lebensbejahung und feinsinnigem Humor ich tief beeindruckt war und immer noch bin.

Lieber Freund Fritz, es war uns einfach ein Anliegen, Dir auf diese Weise zu Deinem 95. Geburtstag zu gratulieren. Vor allem aber möchten wir Dir noch schöne Jahre mit Deiner lieben Frau, Deinen Kindern und Enkelkindern, mit der von Dir so geliebten Musik und Literatur, vor allem aber mit „DEINER“ Kunst wünschen.

Hannelore und Günter

Text: Günter Westermann (Phantastik in der Box – Sammlung Westermann)
Fotos: Günter Westermann /Fritz Janschka (Abbildung: „Das offene Fenster“, 2011)

2 Gedanken zu „Ein Wiener Phantast der ersten Stunde

  • 18.06.2014 um 22:32
    Permalink

    Allerherzlichsten Glückwunsch

  • 23.04.2014 um 10:43
    Permalink

    fast ein Jahrhundert, davon so viele Jahre Schaffen und Werken für die Kunst nötigt mir den größten Respekt ab
    Danke an Herrn Westermann für die liebevolle und ausführliche Berichterstattung und das Aufmerksam machen!

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