Im Gespräch mit Alesandrion

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AlesandrionIm neuen Phantastenmuseum Wien (A) ist er mit einem Bild vertreten und in Kürze zeigt die Museums-Galerie in einer Einzelschau eine umfassende Retrospektive auf sein Werk. Die Rede ist vom österreichischen Künstler Alesandrion alias Alexander Wallner. Anlässlich der bevorstehenden Ausstellung hatten wir die Gelegenheit, in einem Interview mehr über Alesandrion und seine Arbeit zu erfahren.

Alexander, auf der Einladung zur bevorstehenden großen Werkschau in der Museums-Galerie des Phantastenmuseums Wien ist eine Deiner Sphinxen abgebildet. Auch Dein Künstlername Alesandrion klingt ägyptisch … hast Du einen besonderen Bezug zur ägyptischen Kultur?

Es ist sicher so, dass mich bestimmte Abschnitte der Menscheits-/Kunstgeschichte besonders faszinieren. Da gehört die ägyptische Kultur dazu, weil damals Kunst, Spiritualität, Alltagsleben offenbar komplett ineinander verwoben waren und nicht getrennte Lebensbereiche dargestellt haben, wie das heute der Fall ist. Das ist einfach in allem spürbar, was überliefert ist. Es gab ein sehr bildverhaftetes Denken, was sich schon allein in den Hieroglyphen klar widerspiegelt, und das ist sicher etwas, was auch heute einem Künstler eine Sache schnell vertraut macht: das Visuelle. Und, das Weltbild war ein gänzlich anderes, als das unsere. Man hat alle Dinge des Lebens bestimmten Prinzipien zugeordnet, personifiziert durch bestimmte Gottheiten, die dieses Prinzip symbolisierten. Ich denke, dass der Menschen auf der seelischen Ebene in holistischen Bildern „denkt“. Die Struktur der Seele wird nie dem heute üblichen wissenschaftlichen Denken folgen, wo die Dinge aus ihren komplexen Zusammenhängen und Ihrer notwendigen Ganzheit gerissen sind.
Ich tue mir daher mit rein intellektuell konstruierter Kunst sehr schwer, weil sie nur mehr den Kopf, nicht aber die Seele anspricht, worin ich als Künstler aber meine Aufgabe sehe. Kopfarbeit leisten wir ohnedies ununterbrochen, aber die Seele verhungert dabei.
Schwarze SchutzgoettinDer Name Alesandrion ist eine reine Selbstschöpfung. Den Namen gab es davor nicht, zumindest konnte ich ihn nirgendwo finden … auch nicht im allmächtigen Web. Für mich symbolisiert er die Verbindung meines Vornamens Alexander mit dem Universum meiner Bildwelten. Die Endung -ion ist griechischen und lateinischen Ursprungs und diente dazu aus einem Verb ein Substantiv zu machen (z.B.: religio /Religion). Wie Gerhard Habarta im Vorwort meines Ausstellungskataloges meint: „Alesandrion, das klingt sehr antik, archaisch, mythologisch. Ist es aber nicht. Es löst bloß im Leser, Hörer etwas aus, was in jedem in den Archetypen des kollektiven Unbewussten eingelagert ist.”
Womit wir doch auch wieder bei pharaonischen Zeiten sind. Die Sphinxen sind zwar ein immer wiederkehrendes Thema in meinen Bildern, aber auch nur ein Teilaspekt dieser. Aufgrund der Integration des Sphinxbildes „Schwarze Schutzgöttin“ in die Sammlung des Phantasten museums und anlässlich meiner Ausstellung ebenda, haben wir das Sphinxmotiv aber in den Vordergrund gestellt, um einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Bild, dem Museum, meiner Ausstellung und meiner Person herzustellen. In der Malerei fühle ich mich heute den Künstlern der Renaissance und des Frühbarock verbunden, verehre William Turner … und war in meiner Kindheit ein Fan der Wiener Phantasten.

Auf welche Bereiche Deiner Arbeit hat diese Verbundenheit mit den Künstlern der Renaissance und des Frühbarock Einfluss – und wie?

Am Beginn meiner Karriere hab ich über 10 Jahre fast ausschließlich Wandmalereien in echter Freskotechnik als Auftragsarbeiten umgesetzt. Da waren Maler wie Andrea Mantegna, Ghirlandaio, Fra Angelico und natürlich auch Michelangelo und Tiepolo meine Orientierung. Mich hat diese Technik und Art der Malerei maßlos fasziniert, denn es ist eine Kombination aus hoher handwerklicher Disziplin, geistiger Konzentration mit dem übergeordneten Ziel künstlerischen Schaffens.
JudithWährend meines Studiums an der Akademie der bildenden Künste, an der Meisterschule für Restaurierung und Konservierung, habe ich mich sehr intensiv mit den Freskotechniken der italienischen Maler auseinandergesetzt und viel experimentiert. Es ist sehr viel praktisches Wissen darüber verloren gegangen, niemand konnte mir damals Tiefgründigeres zeigen. Heute wundert es mich nicht, dass sie quasi ausgestorben ist, denn der Aufwand und die handwerklichen Fähigkeiten, wenn man subtil arbeiten will, sind tatsächlich eine echte Herausforderung und gehen auch an die körperlichen Grenzen. 20 Stunden durchzuarbeiten ist da keine Seltenheit, irgendwann kippt man in einen tranceartigen Zustand und malt nur noch automatisch … aber das bringt nicht selten die besten Resultate.
Lange nach dem Studium kam ich zufällig in die sixtinische Kapelle aufs Gerüst während der Restaurierungsarbeiten und habe Michelangelos Malerei stundenlang aus der Nähe betrachten können. Vom malerischem Können der absolute Wahnsinn … da ist soviel Konzentration spürbar, wie sie heute höchstens buddhistische Mönche zuwege bringen. Beruhigenderweise sieht man aber auch, dass Michelangelo ebenfalls nur mit Wasser gekocht hat und manchmal so seine Schwierigkeiten hatte.
Für mich waren jahrelang ständige Italienbesuche und natürlich auch dieses Erlebnis in der Sixtina so etwas wie Initiationsreisen. Meine Art zu malen ist auch der Temperamalerei der Renaissnace näher, mit der Ölmalerei fühlte ich mich bisher nicht so verbunden, was sich aber gerade ändert.
Apropos Ölmalerei, ein weiteres Aha-Erlebnis waren für mich die Bilder Caravaggios, die ja in Rom überwiegend noch an den zugedachten Orten, in den Kirchen und deren Seitenkapellen hängen. Das ergibt einen gänzlich anderen Blick auf diese Werke, als das bloße Betrachten der aus dem Zusammenhang gerissenen Bilder im Museum oder Katalog. Das Erfassen des Ortes, der vorhanden Architektur, des Lichts durch den Maler und die sensible Abstimmung der Gegebenheiten mit den eigenen Visionen die alles zusammenfassen und überhöhen, ist für mich extrem beeindruckend. Das sind alles Erlebnisse, die meine eigene Arbeit und vor allem die Herangehensweise und Gestaltung eines Themas damals stark geprägt haben und sicher immer noch nachklingen.

Blaue VenusIch stelle mir diesen intensiven Zugang zu alten Meistern und deren Techniken sehr spannend vor. Inwieweit verwendest Du dieses Wissen nun bei Deiner Ölmalerei – experimentierst Du viel in diese Richtung?

Natürlich probiert man immer wieder neue Dinge aus. Ich habe, nachdem ich mich von der Wandmalerei immer intensiver der Tafelmalerei zugewandt habe, eine eigene Technik zur Grundierung und ersten Gestaltung meiner Bilder entwickelt. Es handelt sich dabei um eine Abwandlung der alten Technik der Stuckmarmorierung, modifiziert für das Tafelbild. Darauf habe ich dann mit verschiedenen Temperasystemen weiter gemalt. Das Bild „Schwarze Schutzgöttin“ im Phantastenmuseum Wien ist ein typisches Beispiel dafür. Zur Zeit versuche ich die Wirkung dieser Technik auf die Leinwand mit den Mitteln der Ölmalerei zu übertragen, und vom handwerklich-technischen der Marmorierung weg, mehr zum rein Malerischen hin zu kommen. Da bin ich wieder einmal am Experimentieren.
Das Ausreizen der altmeisterlichen Techniken und das mögliche endlose Lasieren und technische Weiterperfektionieren dieser Techniken reizt mich aber immer weniger. Im Vordergrund steht für mich mehr und mehr der Bildinhalt und das vermitteln bestimmter Atmosphären und Stimmungen.

Bildinhalt ist ein gutes Stichwort – wie zeigt sich Dir, was der Inhalt für ein nächstes Bild wird? Ist es ein ganz spontaner Impuls oder machst Du Dir länger zu einem Thema das Dich beschäftigt Gedanken und drückst diese dann im Bild aus?

Meine Bildthemen trage ich oft Jahre lang mit mir herum und sie entstehen aus den verschiedensten Inspirationsquellen. Einerseits sind es äußere Erlebnisse und Eindrücke durch meine Reisen (meist nach Indien und Italien) oder Begegnungen mit Menschen, die mir im Gedächtnis haften bleiben. Oder auch Themen, die aus dem Nichts auftauchen und dann sehr spontan als Bildidee vor meinem geistigen Auge entstehen und genauso spontan umgesetzt werden wollen.
Oft beginne ich aber auch Bilder mit einer bestimmten Vorstellung, die sich dann während des Malens verselbstständigt und am Ende etwas ganz anderes dabei herauskommt. Das sind dann für mich selbst sehr spannende Angelegenheiten.
HingabeMeine Bildthemen entstehen also eher zyklisch wiederkehrend über viele Jahre, wobei sich gewisse Hauptthemen schon heraus kristallisieren. Es fällt mir schwer, wie viele andere Künstler es machen, sowohl inhaltlich als auch thematisch an einem bestimmten Thema über einige Zeit konzentriert festzuhalten und daraus dann eine ganze Bildserie zu machen, die in sich geschlossen ist. Ich wechsle von Bild zu Bild auch oft die Maltechnik und manchmal sogar den Malstil, weil es mir zu einem bestimmten Thema passender erscheint, um eine bestimmte Atmosphäre oder einen Charakter vermitteln zu können. Das wird mir von Fachleuten oft als Schwäche ausgelegt, beziehungsweise als angebliche Unfähigkeit einen eigenen Stil zu entwickeln, was heute offenbar, wie ein Markenlogo, wichtiger ist als alles andere.

Vielen Dank für diesen sehr persönlichen Einblick in Dein Werk, Alexander – und alles Gute für die bevorstehende Ausstellung im Phantastenmuseum Wien!

Informationen und Bildergalerie: www.alesandrion.com

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