Im Gespräch mit Silvia Pecha

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Schon beim Betreten von Silvias Ort des Schaffens – eine schöne Altbauwohnung in Wien – fällt einem unweigerlich eine ausgesprochene Detailverliebtheit auf. Überall finden sich kleine Nischen und Mauervorsprünge, liebevoll mit Mosaiken und Steinen verziert. Eine Vorliebe, die sich auch in ihren Bildern widerspiegelt: Je länger man sie betrachtet, desto mehr sieht man darin. Aber Silvias Hauptaugenmerk liegt nicht nur im Detail, auch bei weniger intensiver Auseinandersetzung erschließt sich dem Betrachter meist relativ eindeutig das Kernthema eines Bildes. Tauchen wir gemeinsam ein in die phantastische Welt der Silvia Pecha.

Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für das Interview nimmst, Silvia. Starten wir gleich mit der ersten Frage: Wie bist Du zur Malerei gekommen?

Schon während meiner Kindheit erkannten meine Eltern und Lehrer mein Talent zum Malen. Meine größte Freude waren Bleistift und Papier, damit konnte ich mich stundenlang beschäftigen. Später waren es meine Eltern, die mir Fachbücher kauften und mich sehr unterstützten, ich besuchte Malkurse und wollte auf die Hochschule für Angewandte Kunst. Leider war ich so schüchtern, dass ich vor dem Gebäude wieder umkehrte.

Trotzdem hast Du den Pinsel nicht zur Seite gelegt sondern weitergemacht! Und wann hat sich Deine Vorliebe für die phantastische Kunst gezeigt?

Im Teenageralter hatte ich ein sehr, sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl und zeichnete Themen, die damit zu tun hatten, z.B. Gott, der eine Waage in der Hand hielt – auf der einen Seite Überfluss, auf der anderen hungernde Menschen.
Und durch Bücher, da sah ich Bilder von Fuchs, Dalí, Ernst, Brauer. Alle diese Maler haben mich fasziniert, und ich stellte fest, dass die Themen in ihren Bildern meinen Themen ähnlich waren. Von da an interessierte mich kein anderer Kunststil mehr.

Viele Phantasten stellen in ihren Bildern religiöse bzw. spirituelle Themen dar, woher nimmst Du Deine Inspiration?

Inspiriert werde ich durch die negativen Eigenschaften, wie Dummheit, Gier, Unrecht, Gefühlskälte der Menschheit. Mir gehen diese Dinge sehr, sehr nahe und ich kann nur durch bildliche Darstellungen meine Emotionen abbauen.

Also z.B. Wut, Ärger oder Frustration?

Ja, genau.

Dennoch sind Deine Bilder nicht dunkel und düster, sondern voller Farben. Wie kommt das?

Darüber habe ich eigentlich noch nicht nachgedacht, vielleicht drücke ich dadurch eine gewisse Hoffnung aus. Dunkle Themen in frohen Farben :)

Das heißt für mich persönlich, Deine Bilder zeigen auf, was in der Gesellschaft schief läuft und machen gleichzeitig Hoffnung anstatt zu frustrieren. Wie wichtig ist es für Dich, anderen Menschen über Deine Kunst etwas mitzuteilen?

Es ist eigentlich das Wichtigste. Viele meiner Bilder sind kritisch, ironisch, bisweilen zynisch und sollen zum Nachdenken anregen. In den kleinen Details gibt es viel zu sehen – anderes wird symbolisch so verschlüsselt, dass nur ich weiß was gemeint ist – das sind Bilder, die mit persönlichen Gefühlen zu tun haben.

Gibst Du interessierten Betrachtern die Botschaft mit auf den Weg, oder möchtest Du, dass sie eigene Interpretationen finden?

Lieber ist es mir wenn die Betrachter selbst darüber nachdenken. Das bringt ja auch mehr Spannung. Meist sind die Darstellungen sowieso offensichtlich. Z.B. die Serie „Narrenspiel“ , da gibt es nicht viel zu überlegen: Offensichtlich, dass hier die Dummheit und Rücksichtslosigkeit der Gesellschaft gemeint ist.

Apropos Spannung: Wie schaffst Du es, den Malprozess immer wieder aufs Neue spannend zu gestalten und nicht in einen automatisierten Mechanismus zu fallen?

Das ist kein Problem für mich, weil jeder Malprozess anders verläuft. Es kommt auch vor, dass während der Arbeit Ideen für etwas Neues entstehen, oder das Geplante sich so entwickelt, wie es überhaupt nicht geplant war.

Haha, ja das kommt mir bekannt vor! Vorhin hast Du von den kleinen Details in Deinen Bildern gesprochen. Da ich ja das Vergnügen hatte, einige Originale zu Gesicht zu bekommen, kann ich das bestätigen. Man könnte stundenlang davor sitzen und immer noch Neues entdecken. Kommst Du bei dieser zeitraubenden Arbeit irgendwann einmal an einen Punkt, wo Du die Geduld verlierst und am liebsten aufhören würdest?

Ja, das ist schon passiert, wenn ich kein Ende sehe und wieder neue Ideen habe. Aber dann beginne ich eben mit dem neuen Bild und lege die aktuelle Arbeit beiseite. Irgendwann habe ich wieder Lust, daran zu arbeiten. Es ist außerdem auch anstrengend wenn man mit Lupe malt, vor allem für die Augen.

Das kann ich mir vorstellen. Du hast erzählt, dass Du bei einer Ausstellung sogar für die Besucher eine Lupe zu einem Bild gehängt hast, damit sie die vielen winzigen Details betrachten können. Wie haben die Leute darauf reagiert?

Ja, das ist ganz ein spezielles Bild, das nur aus kleinen Landschaften, Menschen, Tieren und Phantasiefiguren besteht. Es war vom Zeiteinsatz her gesehen das aufwendigste Bild bisher. Die Lupe war eine prima Idee, sie wurde tatsächlich von vielen benutzt. Vor allem von älteren Besuchern, und die meisten von ihnen waren total begeistert und konnten nicht glauben, dass man so klein malen kann.

Wie lange malst Du im Durchschnitt an einem Bild?

Das ist schwer zu beantworten, es kommt auf die Größe an und wie deteilreich das Motiv ist. Im vorher beschriebenen Gemälde hab ich mir die Arbeitsstunden aufgeschrieben und bei ca. 500 aufgehört zu zählen – bis dahin hatte ich erst ca. 1/3 geschafft.

Wahnsinn – ich kann gut verstehen, dass Du aufgehört hast, mitzuzählen :) Und nun noch eine letzte Frage: Woran arbeitest Du zur Zeit – und wie sehen Deine Pläne für die Zukunft aus?

Zwei neue Bilder sind im Entstehen, zuviel kann ich darüber noch nicht verraten, weil sie sich noch verändern können. Außerdem arbeite ich zur Zeit an der Neugestaltung meiner Webseite, die hofffentlich bald abgeschlossen ist – und in Planung ist auch eine Zusammenarbeit mit einer neuen Managerin, auf die ich mich sehr freue. So bin ich  optimistisch, heuer noch bei ein oder zwei Ausstellungen meine Bilder zeigen zu können.

Wovon wir dann ganz sicher berichten werden – vielen Dank für das Interview, Silvia!

Informationen und Bildergalerie: www.silviapecha.at

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