Kaikaoss – Gemalte Bilderwelten

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Alex Kozmidi, Kaikaoss, Corinna Cordes, Rainer Grimm, Reinhard BruenjesEs sind wahrlich Welten die in dem Werk von Kaikaoss aufeinander treffen. Und wie soll es anders sein bei einem Künstler, der in Afghanistan geboren und aufgewachsen ist, in Weißrussland studiert hat, seit 20 Jahren in Deutschland lebt und der sich als Europäer und der europäischen Kultur am nahesten fühlt, der aber immer doch auch seine ganz persönliche Lebensgeschichte mit sich trägt?
An die 40 Werke in erstklassiger altmeisterlicher Manier gemalt kann der Besucher seit gestern in den Räumen des Bachmann Museums in Bremervörde (D) anschauen, dort, wo einst schon Peter der Große speiste.
„Ein Bild ist nicht von Anfang an so geplant, wie es hinterher aussieht. Kaikaoss sagt von sich selbst, dass er so lange malt, bis er sich ‚im Bild wohl fühlt’. Eine solche Aussage, dass ein Künstler so lange malt, bis er sich ‚im Bild wohl fühlt’, bedeutet sicher, dass eine ganz starke Identifikation mit dem entstehenden Bild während des Arbeitsprozesses entsteht. Wir können in den Bildern also auch immer diesen Denkprozess ablesen“,  so der ehemalige Kunsterzieher und langjähriger Bekannte von Kaikaoss, Dr. phil. Rainer Grimm aus Hannover, der den Besucher vorab mit konkreten und gut gewählten Worten in das Werk des Künstlers einführte.
Und wohl fühlt sich zunächst einmal wer mit offenen Sinnen durch Kaikaoss‘ Bildwelt wandelt. All die Herzen und abertausenden Kirschen, die auf den Bildern verewigt sind lassen einem schonmal das Wasser im Mund zusammenlaufen, erzeugen eine Süße und Lieblichkeit, in die man am liebsten selbst hineintauchen und sie auskosten würde, statt an der Grenze seiner eigenen Phantasie umkehren zu müssen und mit einem Gefühl der Sehnsucht zurückgelassen zu werden. Kaikaoss‘ Bilder sind Musik und wenn man nur ganz genau die Ohren spitzt, dann hört man die leisen und zarten Klänge, die seine liebevoll wiedergegebenen Klaviere, Geigen und Klarinetten frei oder von den umherfliegenden Notenblättern spielen. Doch in all die Lebensfülle, Lust und Leidenschaft, die vielleicht immer auch ein wenig schmerzt, reihen sich kopflose Herrscher, erzeugen aufgerichtete Speerspitzen in einem tiefleuchtenden Rot und scheinbar beziehungslos angehäufte Menschenmassen ihre ganz eigene Gewalt. Und immer wieder Burkas. Es ist verblüffend, wie wenig auf den ersten Blick die große Diskrepanz zwischen den extremen Polen dieser Welten auffällt. Und vielleicht erträgt man das Bild einer überdimensionalen Frau in einer roten Burka die sie von der Außenwelt abtrennt auch nur deshalb neben den Kirschenmeeren, weil alles so perfekt gemalt ist.
Zudem war nach der Eröffnungsrede gleich noch Gelegenheit, selbst eine Burka anzuziehen und sich direkt damit auseinanderzusetzen was es heißt, gefangen in Traditionen durch einen Schleier von der Welt abgetrennt zu sein. Diese Gelegenheit nutzten dann auch viele Frauen und einige Männer um festzustellen, dass der Kunstgenuss unverhüllt weitaus größer ist.
Die Musik des in Berlin lebenden Gitarrenkünstlers Alex Kozmidi leistete noch einen weiteren Beitrag dazu, die mystisch orientalische Stimmung zu verstärken, indem er sich selbst mit einem Sequenzer und programmierten Rhythmen begleitete, loopte und seine Gitarre mit Bottleneck und Geigenbogen bearbeitete.
Am nächsten Tag wurden die Emotionen der Gäste noch einmal in Motion versetzt als die Kölner Bewegungs- und Tanzkünstlerin das Bild „der Afghane“ tänzerisch zu einem eigens dafür von Kozmidi komponierten Stück umsetzte.
Bis zum 24. Oktober 2010 sind die geheimnisvollen Bildwelten von Kaikaoss noch bei „Kunst an der Oste“ ausgestellt. Die Öffnungszeiten sind Dienstag – Sonntag von 14.00 bis 17.00 Uhr.

Text und Fotos: Daniela Wolter

Ein Gedanke zu „Kaikaoss – Gemalte Bilderwelten

  • 24.11.2014 um 18:30
    Permalink

    Lieber Kaikaoss,

    interessiert habe ich den Artikel über Deine Ausstellung in Bremervörde gelesen und einiges erfahren, über das wir bei unseren Telefonaten noch nicht gesprochen hatten. Ich wünsche Dir auf jeden Fall eine erfolgreiche Präsentation Deiner Werke.

    Abgesehen davon, dass Du mit einer Arbeit in meinem Projekt PHANTASTIK IN DER BOX vertreten bist, freue ich mich, dass ich einige Bilder von Dir in das Phantasten-Portal CALLAS BREMEN einstellen kann. So wird Deine hervorragende Arbeit immer mehr Freunde finden und einem größeren Publikum bekannt werden.

    Herzlichen Gruß
    Günter

    PHANTASTIK IN DER BOX – SAMMLUNG WESTERMANN

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