Kunstwerk auf Abwegen

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Wer die phantastische Kunst schätzt, ist mit Sicherheit schon mehr als einmal auf den österreichischen Künstler De Es Schwertberger und sein jahrzehntelanges Schaffen gestoßen. Ab 1990 entstanden als Abbilder der Skulptur „Planetarier“ (1987) individuell bemalte „Planetarier“ als Gruppenskulptur mit Botschaft ( 40 in Bern 1990, 100 in Wien 2000). Sie kommen aus der Welt ohne Grenzen, der Dimension der Ganzheit, und sind Boten des Friedens.

Besser gesagt: Sie waren es. Denn die Planetarier wurden vor Kurzem vom Kunstwerk zum caritativen Objekt degradiert. Nicht, dass Wohltätigkeit prinzipiell etwas Schlechtes wäre – aber ein Kunstwerk in seine Einzelteile zu zerlegen und danach stückchenweise an den Mann bzw. an die Frau zu bringen, entspricht wohl nicht der Vorstellung eines Künstlers vom respektvollen Umgang mit seinem Werk.

Verständlich, dass De Es Schwertberger mehr als überrascht war, als er zufällig erfuhr, dass die Planetarier vom Sponsor und Besitzer an eine Stiftung für Tierrecht und eine Tierheimstiftung verschenkt worden sind, da ihr ursprüngliches Zuhause verkauft worden war. Zum letzten Mal vereint warten sie nun auf ihre getrennte Versteigerung.

Der Veranstalter hat das Gesamtkunstwerk aus marketingtechnischen Gründen kurzerhand in „Bunte Hunde“ umbenannt. Wenig verständlich ist das Handeln des Veranstalters, der es nicht der Mühe Wert fand, den Künstler über seine Absichten zu informieren. Das Urhebergesetz verbietet darüber hinaus das Verändern eines Kunstwerkes. Dass De Es Schwertberger bei der gesamten Aktion nur am Rande als Erschaffer der Planetarier erwähnt wird und die künstlerische Aussage bei der Aktion auf der Strecke bleibt, ist mehr als traurig.

Hoffen wir, dass dieses Beispiel an Ignoranz nicht Schule macht, und möglichst vielen Künstlern ähnlich leidvolle Erfahrungen erspart bleiben.

Fotos: Zur Verfügung gestellt von De Es Schwertberger.

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