Monografie über Hans-Peter Müller und Alexandra Müller Jontschewa

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Es ist die erste Monografie über das bekannte Malerpaar Hans-Peter Müller und Alexandra Müller-Jontschewa – und ihre dem Surrealismus verpflichteten, oft von den klassischen Mythen inspirierten Bilderwelten. Gerade Letzteres hat den Geraer Autor Klaus Freyer bewogen, die Motive der Bilder – und die der Künstler – zu hinterfragen. Dadurch eröffnen sich für den Leser des Buches als auch den Rezipienten Müllerscher Kunst ein ungewohnter Zugang zu den Mythen und Legenden vergangener Zeiten und verschiedener Kulturkreise: Weil sie auf den Ölgemälden oft anders erzählt werden als üblich, provokative Überraschun­gen inklusive. Und das auch noch gekonnt in altmeisterlicher Malweise.

Jesus mit keltischen Attributen? Der heilige Antonius per Zeitsprung den Reizen Maria Magdalenas erlegen? Die schwarze Sahra schwanger von Gottes Sohn? Die Müllersche Fassung biblischer Themen mag manchen Orthodoxen die seine verlieren lassen. Müller scheints wenig zu kümmern. Er schöpft aus den alten Mythen neue Metaphern. Und Freyer stößt den Leser manchmal mit der Nase drauf, mit flüssiger, oft pointierter Sprache. Ohne auf seine Interpretation zu bestehen, die gleichwohl eigenwillig ist, wie der Bildinhalt oft selbst. Und ohne den wahren geschichtlich-gesellschaft­lichen Hintergrund der Maler und ihrer Bildmotive zu verdunkeln. Aber was ist schon Wahrheit in der Geschichte? Das, was uns Heutigen überliefert wurde? Freyer verliert sich nicht in kunstwissenschaftlichen Interna oder pseudophilosophischen Spekulationen. Er sucht die Geschichten im oder auch hinter den Schlüsselsujets und dem einzelnen Bild. Und er findet sie im gesellschaftlichen Umfeld der Künstler, auch in biografischen Verflechtungen mit sozialen Entwicklungen („Die Schindung des Marsyas“) oder in den Analogien der Gegenwart mit alten Überlieferungen („L’outremer“, „Justitia“), um nur wenige Beispiele zu nennen.

Das Marionettensujet ist gewiss keine Erfindung von Alexandra Müller-Jontschewa. Dessen konsequente Entwicklung, um alle möglichen Herausforderungen des Menschen künstlerisch zu bewältigen, schon. Das phantasievolle farbenprächtige Panorama voller romantischer Schönheit, das die Malerin entwirft, versteht der Autor als illusionären Schein, hinter dem sich Lebensäußerungen mit menschlicher Dramatik verbinden. Freyer sieht das Spiel der Marionetten als Ausdruck eines Menschenbildes, die Verstrickung der Schicksale eingeschlossen.

Und so schließt sich der Kreis, den der Buchtitel vorgibt: Mythen. Menschen. Marionetten. Das Buch ist zweisprachig. Die Haupttexte wurden ins Französische übersetzt. Nicht nur eine Reminiszenz an das Künstlerpaar, das im gesamten Mittelmeerraum sich zu Hause fühlt und besonders in Frankreich anerkannt wird. Müllers sind aktive Mitglieder der internationalen Künstlergruppe „Libellule“, die in Paris ansässig ist und europaweite Ausstellungen organisiert. Wenn sie nicht gerade in ihrem Atelier im ostthüringschen Weida sich wieder auf eine fiktive Zeitreise zu den Ursprüngen der menschlichen Zivilisation begeben, um nach Rückkehr die Mythen verschiedener Kulturkreise für uns Daheimgebliebenen sichtbar zu machen.

Nicht zurückgekehrt und somit Aufenthaltsort unbekannt sind zudem einige Werke des Künstlerpaares: „Kursker Bogen“ und „Die Rückkehr des Odysseus“ von Hans-Peter Müller und ein Fussball-Triptychon von Alexandra Müller-Jontschewa

Gesamturteil: Sehr lesenswert, weil es Interesse an einer bildenden Kunst weckt, die auch im eigentlichen Sinne bildet. Ohne übrigens den Blick auf die Ästhetik der Bilder zu verstellen. Mehr kann ein solches Buch, reich bebildert zumal, nicht leisten. Schade nur, dass es dem Verlag nicht gelang, die Klassik-Stiftung Weimar zu einem Fototermin mit Müllers Faust-Triptychon zu bewegen.

Dr. Klaus Freyer: „Alexandra Müller-Jontschewa und Hans-Peter Müller. Mythen, Menschen, Marionetten“. Gera 2011, Verlag Erhard Lemm, 132 Seiten, zahlr. Abb., 19,95 Euro

Quelle: Dr. Jürgen Stahl, Philosophiehistoriker, Leipzig 2012
Foto: © Dr. Klaus Freyer

 

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