Nachruf Irina Rosanowski

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IRINA ROSANOWSKI – ein Leben für die Kunst

Aufgewachsen ist sie im Wald. Gelebt hat sie für ihre Kunst. Unermüdlich wie sie war, widmete sie jeden Tag ihres Lebens ihrem nie enden wollenden Drang, sich auszudrücken, zu artikulieren und zu hinterfragen. Dabei gab es eine erstaunliche Vielfalt an Themen zwischen Erde und Himmel und darüber hinaus, mit denen Irina sich eingehend beschäftigte, Bücher, die sie scheinbar aufgesogen hatte und unzählige Autoren, die sie zitieren konnte. Doch ebenso sicher kamen ihre Themen aus den tiefsten Quellen ihres Seins.

Irina war eine leidenschaftliche Malerin und Filmemacherin, die es vermochte, ganze Geschichten in ein Bild oder einen Animationsclip zu zaubern. Geschichten, die von rätselhaften Welten erzählen, entsprungen aus einem Traum oder einem Gefühl das sich auf ihrer Leinwand verselbständigte und den Betrachter auf eine Reise zu den Quellen der eigenen Existenz einlädt.

Irina Rosanowski wurde nur 37 Jahre alt. 37 Jahre und 4 Monate minus einen Tag. Genauso alt wie Vincent van Gogh 128 Jahre vor ihr. Mir ist nicht bekannt, dass van Gogh zu ihren Vorbildern gehörte, aber in ihrem Elternhaus hängen seit einigen Jahren dessen „Strohgedeckte Häuser in Cordeville“ an einer exponierten Stelle im Esszimmer. Und eine weitere traurige Gemeinsamkeit gibt es noch zwischen den beiden: Sonnenblumen. Irina malte bereits 2016 die „Trauerfeier der Sonnenblumen“. Auf dem Bild thront eine welkende Sonnenblume auf einer Urne, die hoch auf einer griechischen Säule in den dunklen Himmel hinein leuchtet. Im Vordergrund strahlen uns frische Sonnenblumen an, die noch nicht daran denken wollen, dass auch ihre Stunden gezählt sind.

Als Irina dieses Bild malte, wusste sie noch nicht, wie knapp die Zeit bemessen sein würde, die ihr noch zum Blühen bleiben würde. Irina Rosanowski starb am 12. Oktober 2018 nach einer quälenden Krebserkrankung an einem strahlenden Sommertag in ihrer Wahlheimat Berlin. Viel zu früh und doch mit einer großen Hinterlassenschaft an märchenhaften Gemälden, surrealen Animationsfilmen, literarischen Briefen und ihrer „Krebskomödie“, einem Buch, in dem sie auf sehr sensible Art und Weise den Leidensweg schildert, den ihre Erkrankung mit sich brachte – auf der Suche nach Heilung und mit einem scheinbar unbesiegbaren Willen zu leben.

Leider war der Krebs stärker.

Das Werk von Irina Rosanowski kann weiterhin auf ihrer Homepage www.rosanowski.de erlebt werden.

Text: Daniela Wolter; Abbildungen: © Irina Rosanowski

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