Neue Künstlergruppe UNWETTER

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Die Maler Alfred Gockel, Reimund Kasper und Joey Schmidt-Muller sowie der Lyriker und Essayist Wernfried Hübschmann haben sich unter dem Namen UNWETTER zu einer Künstlergruppe zusammengeschlossen. Das erste gemeinsame Projekt widmet sich dem großen spanischen Maler und Grafiker Francisco de Goya (1746-1828), der wie kaum ein anderer gezeigt hat, wie eine Zeit des Um- und Aufbruchs künstlerisch fruchtbar gemacht werden kann.

Die vier beteiligten Künstler stellen sich bewusst der Herausforderung, diese Aufgabe für unsere Zeit anzupacken, individuell und als Gruppe, sowohl im ästhetischen als auch im politischen Raum. Erste Ausstellungen, Publikationen und Aktionen der Künstlergruppe UNWETTER sind ab Mitte 2019 geplant.

Francisco de Goya erlebte Anfang der 1790er-Jahre eine schwere körperliche und seelische Krise, die zum Verlust seines Gehörs führte. Die Taubheit schärfte seine visuelle Wahrnehmung und ließ den Gesellschaftsmaler am königlichen Hof zu Madrid zunehmend zu einem kritischen Beobachter und Satiriker seiner Epoche werden, in dessen Grafikserien, Zeichnungen und Ölbildern sich die Zerrbilder und Verblendungen der zeitgenössischen spanischen Gesellschaft manifestieren.

In seinen Arbeiten sind zugleich die Kräfte der klaren Vernunft und der entfesselten Phantasie am Werk, sodass universell gültige Zeugnisse menschlicher Begierden, Lüste und Laster entstehen.

Besonders die „schwarzen Bilder“ (pinturas negras), also Los Caprichos (1796/97) und die „Desastres de la Guerra“ (1810-14), die sich auf die Zeit der Napoleonischen Besetzung Spaniens und den Unabhängigkeitskrieg beziehen, fordern die vier Künstler heraus. Die Radierungen sind in ihrer Schärfe und Drastik nicht zu überbieten. Die „Proverbios“ (Träume; 1815-24) nehmen in ihrer unerbittlichen Innensicht bereits Perspektiven der Psychoanalyse und des Surrealismus vorweg.

Das berühmte Capricho „Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer“ ist für die UNWETTER © Gruppe ein wesentlicher Referenzpunkt im Werk Goyas, an dem sie ihre eigene kritische Haltung ausrichten und neue Wege suchen, mit den Mitteln der Kunst auf die Bedrohungen unserer Zeit zu reagieren, im Bild, in der Grafik, im Text.

„Mein Konzept der Traumatischen Sachlichkeit hat bei Goya seine Wurzeln. Ich spüre eine tiefe Seelen- und Wahlverwandtschaft zu Goya, der ich auf meine Weise Ausdruck verleihe.“
Joey Schmidt-Muller (geb. 1950), Basel
www.joey-schmidt-muller.de

„Goyas Werk ist zu meinem künstlerischen Begleiter geworden, zur Inspiration und zugleich zur Mahnung, das Unrecht dieser Welt nicht passiv hinzunehmen.
Reimund Kasper (geb. 1947), Kamen
www.kunsthaus-kasper.de

„Goyas Bildsprache ist zutiefst menschlich und empathisch, auch und gerade dort, wo sie das unfassbar Grausame, Schmerzhafte und Unmenschliche zeigt.“
Wernfried Hübschmann (geb. 1958), Berlin/Hausen i.W.
www.wernfried-huebschmann.de

“Ich lebe in einer Gesellschaft, die immer ignoranter, egoistischer und dekadenter wird, und Goya ist mir ein Vorbild die „Lautstärke“ zu entwickeln, mit den mir gegebenen Fähigkeiten der auseinander-fliegenden Welt den Spiegel vorzuhalten.“
Alfred Gockel (geb. 1952), Lüdinghausen
www.alfredgockel.de

Text: Joey Schmid-Muller; Abbildung: © Joey Schmid-Muller, „Capricho No.1 Francisco Goya y Lucientes, pintor“

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