Sinn und Phantastik – wer ist eigentlich Markus Vesper?

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Wohl kaum ein Leser von Phantastisch.at kennt den kleinen Ort Sottrum, nur wenige Kilometer entfernt des unwesentlich bekannteren Wümmestädtchens Rotenburg in Niedersachsen. Doch dass phantastische Kunst nicht immer aus den großen Städten wie Bremen, Hamburg, Berlin oder Wien kommen muss wurde mir erneut klar, als ich Ende November den aus der Gegend stammenden Künstler Markus Vesper besuchte.

Für seinen Job ist es sogar ganz egal, wo er wohnt, denn Markus lebt zum großen Teil von der Covergestaltung für Bands aus der Metal Szene. An die 50 Cover hat er bereits gemacht, schwerpunktmäßig für Kunden aus den USA und Europa. Seine Aufträge bekommt er unter anderem, indem ihn Bands durch andere Plattencover entdecken. Aber auch über sein Profil auf der Internetseite Deviant Art sind bereits viele Interessenten auf ihn aufmerksam geworden. Zudem fertigt er Porträts und Gemälde für Privatkunden an.

Seine Ausbildung in einer Druckerei kommt dem jungen Künstler bei seiner Arbeit sehr zugute, da er sehr viel Hintergrundwissen darüber hat, wie die Dateien in Bezug auf Farbigkeit und Layout aussehen müssen, damit sie im Druck gut aussehen bzw. überhaupt ohne Fehler reproduzierbar sind. Ansonsten war es wahrscheinlich sein Glück, dass der Betrieb, für den er zunächst arbeitete Konkurs gemacht hat, da so sein Weg ziemlich schnell in die Selbständigkeit führte. Die Unterforderung, die langwierige Kontrollarbeiten und das Bedienen von Maschinen mit sich brachte und die trotzdem von ihm geforderte permanente Konzentration konnte ihn auf Dauer nicht befriedigen.
KugelnDie künstlerische Laufbahn von Markus Vesper begann allerdings schon früher. Er hatte schon als Kind das Endziel zu malen oder in die Illustration zu gehen wobei ihn seine Eltern von Anfang an unterstützten. Er zeichnete viel doch er ist, wie er sagt kein besonders guter Zeichner und seine Bilder kommen erst durch die Farbe zum Leben. Den Umgang mit Acrylfarbe hat er in relativ kurzer Zeit autodidaktisch erlernt und sich ziemlich schnell weiter entwickelt, während das Zeichnen eher stagnierte. Seit einiger Zeit sind zudem noch am Rechner entstandene Bilder dazugekommen. Markus setzt dabei unter anderem Fotos zusammen und malt sie an seinem Grafiktablett weiter. Oder er malt den Hintergrund in Acryl, scannt ihn ein und malt dann am PC transparent drüber. Einige seiner digitalen Bilder sind auch komplett mit dem Grafiktablett am Computer gemalt, dazu benutzt er überwiegend das Programm „Painter“ von Corel, klassische Malerei lässt sich so recht gut simulieren.

Häufig bekommt er für seine Coverartwork-Arbeit ziemlich genaue Vorgaben, wie ein Bild aussehen soll. Einerseits ist das eine große Herausforderung, da er sich so mit Dingen auseinandersetzten muss, die er wahrscheinlich nie gemalt hätte. Dadurch sammelt er Erfahrungen, wird besser. Die Arbeit macht ihn zufrieden, wenn er fertig und das Ergebnis gut ist. Aber die Gefahr ist da, dass die künstlerische Arbeit zum reinen Job wird und nicht mehr so viel Spass macht. Bislang hat Markus noch keinen Auftrag abgelehnt, aber wenn es in eine diskriminierende/propagandistische Richtung ginge oder das Motiv zu sehr rein auf Schockwirkung ohne künstlerischen Anspruch zielen sollte (plakativ wäre), würde er es tun.

InspirationDer gebürtige Scheesseler hatte schon als Kind eine Vorliebe für düstere Bilder. Für ihn bedeutet seine Malerei eine Auseinandersetzung mit der eigenen Angst auf einer indirekten Ebene. Schwieriger wäre es für ihn, sich mit realen Kriegsszenarien auseinanderzusetzten. Auf der phantastischen Ebene macht es ihm aber richtig Spass, sich in diese düsteren Welten zu begeben. Es gibt zwar immer auch Leute, die sich davon abgestossen fühlen, aber das ist nicht vorhersehbar. Auch ältere Leute, denen man es auf den ersten Blick nicht zutrauen würde, finden mitunter die horrorlastigen Bilder toll, da sie von der Maltechnik fasziniert sind. Teilweise gibt es aber auch Jüngere, denen die düsteren Bilder zu viel sind. Bei vielen Menschen stößt der Künstler mit den düstersten seiner Bilder auf Unverständnis. Vielleicht auch, weil nicht jeder bereit ist, sich mit dem Schrecken auseinanderzusetzen, den Markus Vesper ans Tageslicht bringt, denn seine Monster und Fratzen wirken furchteinflößend. Er schafft es, den Betrachter seiner Bilder in die dunkelsten Tiefen der menschlichen Seele zu entführen.

Aber es wäre zu einseitig, Markus Vesper nur auf seine Horrorszenarien zu begrenzen, denn neben all dem Schrecken und der Pein gibt es eine phantastische, romantische Welt, fremde Landschaften in der er die Schönheit der Natur darstellt und die mich mitunter an Patrick Woodroffe, Peter Gric oder Carl W. Röhrig erinnern. Es verwundert so auch nicht, dass Markus sich sehr für den Erhalt unserer hiesigen Natur interessiert und deshalb plant neben der Malerei einen Job auf einem Biohof zu bekommen um etwas zu tun das der Allgemeinheit zugute kommt, was ihm bei seiner künstlerischen Tätigkeit mitunter zu kurz kommt. Aber auch schon jetzt ernährt er sich zum Teil autark von dem Gemüse vom Biohof der Grosseltern und des Onkels in Hellwege oder zu einem kleinen Teil aus seinem eigenen oder dem Garten seiner Mutter. Trotz der Geldknappheit, die mit dem Künstlerleben einhergeht achtet Markus darauf, wo die Dinge herkommen, die er kauft um nicht so viel Schaden anzurichten. In manchen seiner Bilder hat er Umweltzerstörung und Tod auch zum Sujet gemacht.

© Markus VesperAusstellungen hatte der 35-jährige bislang hauptsächlich in der Region. Die jährlichen Gemeinschaftsausstellungen in Sottrum zum Beispiel sind für ihn ein gutes Portal um Kontakt zu anderen Künstlern zu haben, denn das Künstlerleben ist doch oft ein recht einsames, besonders, da seine Geschäfte meist über’s Internet oder Telefon laufen.

Für die Zukunft hat Markus Vesper sehr bescheidene Ziele. Er möchte sich technisch verbessern und häufiger Dinge machen, bei denen er seine eigenen Ideen einbringen kann. Mehr Ausstellungen auch in anderen Städten und mehr Aufträge wären gut. Er möchte nicht reich und berühmt werden sondern lediglich gut von seiner Arbeit leben  können.

Webseite des Künstlers: www.markusvesper.de
Profil bei Deviant Art, wo er bei zwei internationalen Wettbewerben unter den ersten 25. war: acrylicdreams.deviantart.com

 

 Text und Fotos: © Daniela Wolter, unterstes Foto © Markus Vesper

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