Zensur macht auch vor Kunst nicht halt

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Bildschirmfoto 2015-02-03 um 13.31.31Sie denken „Zensur, sowas gibt es nur in rückständigen Ländern und Diktaturen“? Falsch gedacht. Zensur ist auch bei uns allgegenwärtig und jedem halbwegs selbständig denkendem Bürger/Bürgerin sollte mittlerweile klar sein, dass alles was wir von unseren Medien serviert bekommen, gesteuert ist und einer Zensur unterliegt. Als ob das nicht schon traurig genug wäre, macht der lange Arm der Zensur im Namen der politischen und gesellschaftlichen Korrektheit nun auch vor der Kunst nicht mehr Halt.

Bereits seit längerem ist das Thema bei der beliebte Online-Plattform Facebook ein Ärgernis. Zahlreiche Künstler sehen sich dort immer häufiger mit den Auswüchsen der Zensur konfrontiert und müssen sich mit gelöschten Bilddaten und zeitweisen Profilsperren herumschlagen.
Nun schwappt dieses Diktat anscheinend auch auf den Büchermarkt über, wie Gerhard Habarta kürzlich erfahren musste als er folgende Nachricht erhielt: „Leider müssen wir Ihnen mitteilen, dass Ihre Manuskripte aufgrund ihres Covers den Grundsätzen unseres Unternehmens bzw. unserer Vertriebspartner widersprechen und wir es deshalb nicht in den Handel bringen können. Daher lehnen wir eine Veröffentlichung Ihres Titels in unserem Hause ab. Die Buchdaten haben wir gelöscht.“

Bildschirmfoto 2015-02-03 um 13.34.14Sein mehr oder weniger ganzes Leben lang als Autor tätig, hat Gerhard Habarta auch der Phantastischen Kunst einige hervorragende Bücher geschenkt. Sachbücher und Kataloge stammen aus seiner Feder, Herr Habarta ist außerdem der Kurator des Internationalen Phantastenmuseums Wien sowie Experte für Phantastische Kunst und gern gesehener Eröffnungsredner bei wichtigen Ausstellungen.
Zwei seiner in PrivatEdition erschienenen Bücher wurden nun also aufgrund der Titelbilder verboten. Auf seiner Webseite schreibt Gerhard Habarta: ”Die Titelbilder zu den Erzählbänden in der PrivatEdition wurden zuerst für die Publikation als e-book, dann für die reguläre Buchausgabe verboten. Beide bedeutenden Maler Maschka (Dalis Erben) und Zademack (Neue Meister) sind publiziert und in Museen vertreten. Ein Bilderverbot gab es seit den NS-Gesetzen über „Entartete Kunst“ nicht mehr. Das deutsche (nicht rechtswirksame) Gesetz Jugendmediendienstestaatsvertrag ermöglicht das Verbot der Veröffentlichung.“
Mit freundlicher Genehmigung der beiden Künstler wurden die „heiklen Bereiche“ der Abbildungen überdeckt und in Kürze sind beide Bücher mit neuen ISBN-Nummern wieder erhältlich.

Bildschirmfoto 2015-02-03 um 13.34.23Man möchte gar nicht weiterdenken … sehen wir uns bald in Ausstellungen mit dem selben Thema konfrontiert? Müssen wir unsere Bilder dann mit schwarzen Balken abdecken oder zumalen?

Was für ein verlogenes Rechtsverständnis: Da wird unter dem Deckmantel des Jugendschutzes die ästhetische Darstellung eines Frauenkörpers in einem Gemälde zensuriert während gleichzeitig von früh bis spät über Filme, Werbung, Zeitungen und Internet nackte Brüste und Hinterteile – häufig in an Pornografie grenzende Art und Weise – auf unsere Jugend losgelassen werden. Wo sind da die Aufschreie, wo die Verbote?

Bleibt zu hoffen, dass dieser Entwicklung Einhalt geboten wird damit die vielgepriesene Freiheit in der Kunst auch tatsächlich ihren Namen verdient.

Abbildungen: Buchcover Gerhard Habarta „Schutzengel singen nicht“, unzensurierte Version mit einem Gemälde von Siegfried Zademack sowie die neuen, zensurierten Buchcover die von den Gemäden von Siegfried Zademack und Michael Maschka nicht mehr viel erkennen lassen.

5 Gedanken zu „Zensur macht auch vor Kunst nicht halt

  • 08.11.2015 um 14:41
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    Peinlich sowas.
    Es gab mal einen Papst, der hat in seinem Wahn im Vatikan den Statuen nackter Jünglinge die Penise abgeschlagen. Das fanden damals auch alle höchst befremdlich.
    Solch alberne Zensur hat sicherlich auch mit irgendwelchen Verkorksten Gemütern in Entscheidungspositionen zu tun.
    Daher ist zu vermuten, daß diese Leute schließlich ersetzt werden, denn sie werden bestimmt auch auf andere Weise auffällig, mit ihrem pathologischen Verhalten.
    Einen echten Trend würde ich darin nicht sehen, außer vielleicht eine Öffnung zum US-Markt, bei der Europäische Standarts den US-Standarts „angepaßt“ werden.

  • 09.02.2015 um 20:02
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    Ich habe bei Hr. Habarta nochmal nachgefragt und er hat mir liebenswerter Weise eine sehr ausführliche Erklärung des Vorfalls geschickt. Es geht ihm nicht darum, den Verlag an den Pranger zu stellen, sondern aufzuzeigen, dass der Auslöser für solche Maßnahmen ganz woanders liegt. Und dass es immer schlimmer wird – 2012 gab es kein Problem mit einem weitaus anzüglicheren Cover. 2014 wurde eines der o.a. Bücher für die e-book-Ausgabe verboten, und jetzt beide Bücher für e-book- und Druckausgabe. Die Angst vor Anzeigen, Strafen und Sanktionen wird also immer größer.
    Dieses Zitat von Gerhard Habarta sagt denke ich alles: „Ich mache dem Verlag keinen Vorwurf für die einschneidenden Zensurmaßnahmen und das Bilderverbot. Dieser hat die Verlagsproduktion als Ganzes zu schützen und will sich nicht Maßnahmen der Justiz oder irgendwelchen Anwälten und Tugendwächtern aussetzen. Das Problem ist das geistige Umfeld, gestützt von feigen Politikern. Etwas das nicht nur für den deutschsprachigen Raum gilt. Die Londoner TATE hat Bilder mit Mohamed-Darstellungen von ihrem Internet Auftritt entfernt.“

  • 07.02.2015 um 14:02
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    Die Traurgkeit,
    Werden Die auch alle Antik und die Antiquitaten verboten? Was ( zum Beisiel) mit MIchelangelo oder mit Pheidias…usw
    Dina Lenkovic

  • 03.02.2015 um 23:14
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    Das ist mir unverständlich. Was für ein Verlag ist denn das? Wer auch immer für solches verantwortlich ist soll an den Pranger gestellt werden! Da müsste man dann einen Großteil der bisher verlegten Kunstbücher aus dem Handel ziehen. Ich hätte gerne Genaueres erfahren, also den Verlag und wer für diese Entscheidung verantwortlich ist.

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